Sehr
geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel,
Sehr
geehrter Herr Bundesaußenminister Westerwelle,
im
Namen vieler Ägypter, möchten wir - Absolventen der Deutschen
Schulen in Ägypten - hiermit unserer tiefen Enttäuschung über Ihre
unverständliche Reaktion auf das aktuelle Geschehen in Ägypten
Ausdruck verleihen.
Wir
sind uns der Tatsache bewusst, dass wir mit dem Besuch deutscher
Schulen in den Genuss eines großen Ausbildungs- und
Bildungsprivilegs gekommen sind. Uns war es gegönnt, Deutschland
nicht wie einem fremden Land mit fremder Kultur zu begegnen, sondern
es uns, neben unserer ägyptischen Heimat, als Lebens- und Kulturraum
zu erschließen, in dem nicht allein unsere intellektuelle
Fähigkeiten, sondern auch unsere sittliche Entwicklung gefördert
wurde.
Wir
haben gute Kenntnisse von deutscher Geschichte und Kultur erworben
und sind zu promovierten und habilitierten Fachkräften in deutscher
Sprachwissenschaft, Literaturgeschichte, Volkskunde sowie in
unterschiedlichsten Bereichen der Natur- und Sozialwissenschaften
herangewachsen. Für diese Bereicherung sind wir dankbar und wir
nehmen den damit einhergehenden Auftrag, Multiplikatoren des
erworbenen Wissens zu sein, sehr ernst, wie es unsere Lebensläufe
(inklusive der Verleihung des deutschen Verdienstkreuzes an zwei
Mitgliedern unserer Gruppe) beweisen. Wir nehmen aber auch die
sittlichen Grundsätze ernst, die uns im Rahmen unserer Erziehung an
deutschen Schulen von unseren ägyptischen und deutschen Lehrern
vermittelt worden sind. Dazu gehören: der Respekt der Gebote der
Menschlichkeit, der Gerechtigkeit, der Toleranz und – aus der
Geschichte lernend - des solidarischen Handelns, um Machtmissbrauch
im Großen und Kleinen zu vereiteln. Auf Deutschland schauten wir wie
auf eine vorbildliche Gesellschaft, in der diese Grundsätze
verwirklicht wurden.
Jetzt
können wir nicht verstehen und wir wollen es nicht glauben, dass ein
liberales Deutschland nun einem faschistischen und terroristischen
Regime wie das, welches die Moslem-Bruderschaft in Ägypten zu
etablieren begann, beisteht. Unter der Herrschaft des abgesetzten
Präsidenten Morsi und seines politischen Klans hat die große
Mehrheit der ägyptischen Bevölkerung jenseits des erträglichen
Maßes gelitten, wobei dieses Leid der Außenwelt bekannt gewesen ist
und von den internationalen Medien im Laufe des vergangenen Jahres
reichlich dargestellt worden war.
Sie
beziehen den Standpunkt, dass der abgesetzte Präsident Morsi, der
„erste frei gewählte Präsident Ägyptens“ sei und deshalb das
Recht habe, an der Macht zu bleiben, bis die nächsten Wahlen
stattfinden. Sie bezeichnen die Manifestation des politischen Willens
eines ganzen Volkes, das sich gegen ein faschistisches Regime gewehrt
hat und seinem Willen eine historisch einmalige Ausdrucksform
verliehen hat, indem 30 Millionen friedliche Demonstranten auf die
Straße gingen, um die Beendigung der Gewaltherrschaft der
Moslem-Brüder zu fordern, als „Militär-Coup“ und Verstoß gegen
die demokratischen Prinzipien; und Sie stellen sich auf die Seite des
Morsi-Regimes doch wir nehmen uns die Freiheit, als Bewunder/-innen
deutscher Errungenschaften im Bereich der liberalen Organisation von
gesellschaftlichem und politischem Zusammenleben, Ihnen hiermit klar
zu machen, dass Sie dadurch die ägyptische Bevölkerung insgesamt
aufs Tiefste verletzen und beleidigen. Unsere Armee hat den
ausdrücklichen Wunsch des Volkes respektiert; die Armee möge es vor
den unmenschlichen Verdrängungspraktiken der Faschisten im
religiösen Gewand schützen.
Sollten
Sie aufgrund von Unkenntnis der Wirklichkeit Partei für das
Morsi-Regime ergreifen, dann seien Sie an die im Anhang zu diesem
Scheiben aufgeführten Fakten erinnert.
Wir
würden Sie darum bitten Ägypten vor Ihren falschen Einschätzungen
und Vorurteilen zu verschonen und sich, als Verantwortliche für die
Politik eines großen Landes wie Deutschland, erst sachkundig zu
machen, bevor Sie Ihre Standpunkte beziehen. Ist Hitler nicht auch
auf demokratischem Weg an die Macht gekommen und wäre Deutschland
und der Welt nicht sehr viel Leid erspart geblieben, wenn das
deutsche Volk gegen ihn rebelliert und die deutsche Armee gegen ihn
„geputscht“ hätte, als es sich zeigte, was der Faschismus in
Wirklichkeit geplant hätte?
Morsi
maßschneiderte eine auf ihn zugeschnitteneVerfassung und riss die
drei Gewalten sowie die Führung der Armee an sich, er schloss alle
politischen Kräfte des Landes, die nicht der Moslem-Bruderschaft
angehören, aus dem öffentlichen Leben aus: Ihnen wurde jede
Beteiligung an Entscheidungsmechanismen verwehrt und sie wurden zu
zig-Tausenden aus dem staatlichen Verwaltungsapparat entfernt und
durch Anhänger der Moslem-Bruderschaft ersetzt.
Mit
seinen Reden hat er nicht die ägyptische Bevölkerung, sondern nur
seine „Familie und Sippschaft“ angesprochen. „Andersgläubige“,
worunter nicht nur die Kopten, sondern auch die ägyptischen Schiiten
zu verstehen sind, wurden durch öffentliche Hetzpredigten der
geistlichen Führer der Moslem-Bruderschaft, die von Morsi auch
öffentlich geduldet wurden, zu „Feinden des Islams“ erklärt,
deren Tötung genehmigt ist. Eine dreitausendjährige Geschichte des
friedlichen Zusammenlebens von Anhängern verschiedener Konfessionen
in Ägypten wurde damit beendet. Die Massaker an Kopten und Schiiten
und die Brandstiftung an Kirchen, Mausoleen, Häusern und Geschäften
haben in Ägypten begonnen. Der Westen und Deutschland sehen dabei zu
und bezeichnen die Rebellion eines ganzen Volkes gegen diese
Verhältnisse als „Militärputsch“ und „Vergehen gegen die
Demokratie“. Damit pervertieren Sie den Grundwert der
Demokratie!
Morsi
hatte in seiner Antrittsrede der ägyptischen Bevölkerung
zugesichert, dass er sein Amt niederlegen würde, wenn nur 100 Bürger
gegen ihn protestieren würden. Am 30. Juni dieses Jahres sind
mindestens 33 Millionen Bürgerinnen und Bürger auf die Straße
gegangen, zuzüglich weiterer 15 Millionen, die vor ihren Häusern
standen, um seinen Rücktritt zu fordern. Das Volk, das die Quelle
der demokratischen Legitimität darstellt, hat zum Ausdruck gebracht,
dass es nicht drei weitere Jahre dieser Herrschaft unterworfen sein
will, um eine Wahlfrist einzuhalten, mit der ihm eine neue gefälschte
und betrügerische Wahl-Prozedur beschert wird.
Morsi
antwortete auf die Forderung der Bevölkerung mit einer Rede, in der
er inner-halb von 50 Minuten 198 Mal bestätigte, dass er der
rechtmäßige Präsident sei und dass er nicht zurücktreten würde.Er
gab zudem Anweisungen an seine Anhänger, dass sie unter Anwendung
von Gewalt gegen diese "Ungläubigen" vorgehen sollen, die
seinen Rücktritt fordern. Er ließ Tausende von bewaffneten
Djihadisten aus dem Sinai nach Kairo und anderen Ballungszentren
bringen, um die Bevölkerung zu terrorisieren und die Bewegung gegen
sein Regime niederzuschlagen. Sie sollen Bomben legen, Infrastruktur
zerstören, töten, wobei die Moslem-Bruderschaft offiziell erklärt,
dass all dies aufhören würde, sobald Morsi wieder als Präsident
eingesetzt wird.
Wir
sind in Anbetracht all dessen zutiefst schockiert und enttäuscht,
dass Sie - als Verantwortliche für die Politik eines Landes, das wir
als unsere zweite Hei-mat betrachten und zu dem wir, wie gesagt,
nicht nur in technologischer, son-dern auch sittlicher Hinsicht
aufschauen - Äußerungen bezüglich des Gesche-hens in Ägypten
offiziell verlautbaren lassen, aus denen eindeutig hervorgeht, dass
Sie für das faschistische Gewalt-Regime der Moslem-Bruderschaft und
ge-gen die für ihre Rechte auf friedlichem Weg kämpfende ägyptische
Bevölkerung Partei ergreifen. Dass Sie es aus Unwissenheit um die
Wirklichkeit in Ägypten tun, nehmen wir nicht an. Tun Sie es aus
Loyalität zu ihren westlichen Alliierten, dann ist es klar, dass die
deutsche Regierung internationalem Druck ausgesetzt ist, dem sie in
dieser Form nachgeben muss. Genau das aber beklagen wir, die auf die
Moral der deutschen Politik gesetzt haben.
Mit
besten Grüßen,
Anhang
zum Schreiben an die deutsche Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkl
und an den deutschen Außenminister, Herrn Guido Westerwelle
1.
Die Wahlen von 2012 waren nicht „demokratisch":
➢
Morsi
ist nicht auf „demokratischem Weg“ gewählt worden. Die
Moslem-Bruderschaft hat die Wahllisten gefälscht. Die Mitglieder
ihrer Partei verfügten über mehrere Wahlzettel. In einem Fall wurde
ein Mitglied mit 60 Wahlzetteln verhaftet, die in verschiedenen
Wahllokalen verwendet werden sollten. Die Wahlperiode wurde in die
Länge gezogen, um Zeit für die Umsetzung dieses Fälschungsplans zu
gewinnen.
➢
Die
von der Moslem-Bruderschaft kontrollierte Staatsdruckerei stellte
Hunderttausende Wahlzettel aus, die den Morsi-Anhängern ausgehändigt
wurden, um diese die Wahlurnen damit zu stopfen.
➢
Die
Morsi-Gegner, vor Allem die Kopten, wurden daran gehindert, sich an
den Wahlen zu beteiligen. Ihnen wurde angedroht, ihre Kinder zu
ermorden und ihre Häuser und Geschäfte niederzubrennen, falls sie
sich an den Wahlen beteiligen sollten.
➢
Das
Gesetz schreibt in Ägypten vor, dass die Wahllokale von Richtern
beaufsichtigt werden. Die Richter haben es aber abgelehnt, diese
Funktion wahrzunehmen, da die Moslem-Brüder sich vor den Wahllokalen
zusammengerottet haben und die Wähler eingeschüchtert bzw.
gezwungen haben, für Morsi zu stimmen.
➢
Abgesehen
von der Drohung mit Gewalt haben die Morsi-Anhänger unendlich lange
Warteschlangen vor den Wahllokalen organisiert, die durch langsame
Bewegung den Wahlprozess behindert haben. Es gab manchmal Wartezeiten
von über zehn Stunden, die dazu geführt haben, dass viele Wähler
auf ihr Wahlrecht verzichten mussten.
➢
Es
wurde auf gerichtlicher Ebene und vor der Absetzung Morsis,
festgestellt, dass General Chafiq die Präsidentschaftswahlen
gewonnen hatte. Die Moslem-Brüder hatten jedoch gedroht, das Land in
„Feuer und Blut“ zu setzen, falls Morsi nicht als Gewinner aus
den Wahlen hervorgehen sollte. Die Armee hat aus Furcht vor einem
Blutbad und unter dem Druck der USA, die im politischen Islam der
Moslem-Bruderschaft einen Stabilisierungsfaktor in der Nahost-Region
sieht, nachgegeben und ihn zum Sieger erklärt.
➢
Die
Parlamentswahlen sind wegen der gleichen Betrugspraktiken durch die
Justiz annulliert und die Nationalversammlung aufgelöst worden.
➢
An
dem Tag, an dem das oberste Verfassungsgericht seine Entscheidung
über die Gültigkeit der von Morsi modifizierten Verfassung fällen
sollte, wurde das Gerichtsgebäude von bezahlten Islamisten-Horden
umzingelt und wurden die Richter daran gehindert, dort zu tagen.
2.
„Islamische Gesetze“ seit der Wahl Morsis:
Seit
der Wahl Morsis zum Präsidenten haben die Mitglieder der aufgelösten
Nationalversammlung folgende Gesetztexte vorgeschlagen:
➢
Ein
Gesetz zur Aufhebung des Mindestalters für Eheschließung, um die
Verehelichung von minderjährigen Mädchen und Kindern zu ermöglichen
– mit der Begründung, dass der Prophet Mohammad seine Frau Aicha
heiratete, als sie neun Jahre alt war.
➢
Ein
Gesetz zur Abschaffung der allgemeinen kostenlosen Schulpflicht –mit
der Begründung, dass es keinen Bedarf an Schulen gibt und dass der
Prophet Mohammad ein Analphabet gewesen sei.
3.
Erlaubnis von Gewalt gegen Kopten und islamische „Abweichler“:
➢
Hunderte
von koptischen Mädchen und jungen Frauen wurden von Islamisten
entführt, zum Islam zwangsbekehrt und mit Moslems
zwangsverheiratet.
➢
Regelmäßig
werden Massaker gegen Kopten organisiert, Kirchen sowie Geschäfte
und Häuser von Kopten niedergebrannt in einem Land mit einer
Jahrhunderte alten Tradition des konfessionellen friedlichen
Zusammenlebens.
➢
Die
Morsi-Anhänger verbreiten ungestraft den Terror in Ägypten : In den
Zeitungen wird täglich über die Ermordung von Paaren auf der Straße
berichtet, die nicht nachweisen konnten, dass sie verwandt oder in
einem « Shari’a-Verhältnis » zu einander stehen, kleine Mädchen,
deren Haare in der Schule geschoren werden, weil sie ohne
Kopfbedeckung laufen.
4.
Morsi tritt ägyptisches Territorium ab:
➢
Morsi
und seine Anhänger haben den Djihadisten von AQMI und Hamas den
Sinai überlassen (auf amerikanischen Karten ist das Gebiet rot
gestrichelt, womit signalisiert wird, dass es nicht mehr zum
ägyptischen Souveränitätsbereich gehört), wobei er als
Gegenleistung auf ihre Unterstützung zählt, im Falle dass ihm der
Absturz droht. Für eine weitere Gegenleistung seitens der „großen
Spieler“ in dieser Region im Sinne der Unterstützung seiner
Macht-Position stimmte er dem letzten Plan für die Lösung des
Nahost-Konflikts zu: Alle Palästinenser sollen nach Sinai verlagert
werden und auf diesem von Ägypten abgetretenen Gebiet einen von
Israel unabhängigen Staat bilden. Deswegen wurde der (nun für
ungültig erklärte) Verfassung ein Artikel von Morsi hinzugefügt,
mit welchem dem Präsidenten erlaubt wird, Teile des nationalen
Territoriums an einen beliebigen Käufer, inklusive ausländischer
Mächte, zu verkaufen – ein Verfassungsartikel zur Begründung und
Rechtfertigung von Hochverrat.
5.
Morsi ernennt islamischen Terroristen zum Gouverneur von Luxor…
➢
Morsi
ernannte zum Gouverneur der „Touristen-Region“ Luxor ein Mitglied
der terroristischen Vereinigung, die 62 europäische Touristen vor
dem Hatschepsut-Tempel in Luxor 1997 ermordete. Zum „Kultur-Minister“
ernannte er einen Islamisten, der die Kairoer Oper schloss, die
Ballet-Tanz in Ägypten verbot und die Produktion von Fernsehserien
„ohne Schauspielerinnen“ anordnete.
6.
….und ruiniert die ägyptische Wirtschaft:
➢
Der
Zusammenbruch der Tourismus-Industrie, der Haupteinnahmequelle
Ägyptens, die Liquidierung der Kultur, die Drohung mit der
Auslöschung der « heidnischen pharaonischen Vergangenheit »
Ägyptens sind nicht allein die Erscheinungen, die das Entsetzen in
der ägyptischen Bevölkerung auslösen. Das Morsi-Regime hat die
ägyptische, bereits davor angeschlagene, Wirtschaft dem Totalruin
entgegengeführt: Die Devisenreserven sind unterhalb des kritischen
Minimums gefallen, der Gouverneur der Zentralbank reichte seine
Kündigung ein. Die Arbeitslosigkeit nahm in einem Jahr um 30 %, die
Preise um 40 % zu. Der Kurs des ägyptischen Pfundes fiel in einem
Jahr um 50 %.Täglich herrschte Stromausfall und Treibstoffmangel,
während zur gleichen Zeit Strom und Treibstoff in den Gaza-Streifen
weitergeleitet wurden, der von der islamistischen Hamas-Organisation
beherrscht wird.